Von Quickborn nach Ascheberg

Was Städtenamen verraten:

Schnellgeburt in Quickborn - Feuerbestattung in Ascheberg
Eine Reise zu allzu menschlichen Orten in Deutschland / von Martin Joachim

Auge, Ohr und Nase, Magen, Darm und Blase - menschliche Organe und Innereien finden wir nicht nur an und in uns selbst, sondern auch auf einer guten Deutschlandkarte. Orte, die Teile der menschlichen Anatomie im Namen führen, sind gar nicht so selten oder unbekannt: Dortmund und Darmstadt sind wahrlich keine Dörfer aus dem Hinterland. Wir begaben uns auf Spurensuche und entdeckten Orte mit Hand und Fuß.

Fangen wir doch gleich ganz oben an - nicht im Norden der Republik, sondern beim Schopf. Auf dem Jungerfernkopf erwartet man zunächst mal keinen Glatzenberg, sondern sprießendes Haar oder gar einen Haarzopf, der das idyllische Hirnkirchen bedeckt. Hier oben lebt es sich - ob Mann oder Frau - recht ungeniert in Dummersdorf oder Dümmlinghausen. Jedoch regiert gelegentlich auch blankes Elend wie in Irrendorf oder Blöden. Trieb und - falls vorhanden - Sinn haben ihren Ursprung in der gleichen Region. Zudem entscheidet sich in luftiger Höhe des menschlichen Körpers, ob man sich eher in Tussenhausen oder Tuntenhausen zuhause fühlt. Religiöse Geister gelangen wie von Gottes Hand nach Heiligenblut oder gleich ins Himmelreich. Wer später kränklich wird und unter Alzheimer leidet, kommt ins Altenheim oder - wie die Jungen sagen - in die Altenklitsche. Bevor wir unseren Körper aber nun im Grab oder als Ascheberg verabschieden, schauen wir uns noch Kopf und Rumpfen an.

Im Gesicht zieht Augsburg alle Blicke auf sich. Ein geschminktes Lippstadt täuscht jedoch nicht über schlechte Zahna, eine dicke Beule, ein Warzenried oder Eiterfeld hinweg. Mit Blindheit ist geschlagen, wer den Ekel ignoriert genauso wie Rotzbüll - zum Kotzen! Angenehm hingegen ein schönes Dortmund oder Gmund, ein gerades Nasenbein, ein gern geliehenes Oer sowie rosa Furtwangen.

Reisen wir weiter südlich auf der menschlichen Landkarte, wird spätestens jetzt klar, wer in Mannsdorf oder in Frauenalb lebt - von Tuntenhausenern (siehe oben) einmal abgesehen. Busenberg oder Tittmoning gestatten erste Hinweise, für Zitzenhausen lassen wir nun alle Hüllen und die vornehme Zurückhaltung fallen. Nach Ellenbogen und Unterjoch werfen wir einen Röntgenblick auf Leberskirchen und Milzau. Remagen, Gallenbach, Blasrohr und Darmstadt zeigen gute Werte, nur ein Nierstein bereitet Sorgen. Lendernhude, Brustorf sowie Rückenstadt und Steisslingen: alles gut in Schuss. Aber Bös-Gesäß zwischen Schenkelberg und Beingarten, also am Hinternfelde und gegenüber von Pißdorf, lässt aus Poritz einen Pups fahren.

Doch dieser peinliche Vegesack lenkt nun nicht länger vom Spannendsten ab. Unterhalb der Gürtellinie zeigen die deutschen Orte erstaunliche Kreativität und Vielfalt. Manche Namen möchte man gar nicht hinschreiben, doch sie stehen schon längst in jedem Atlas und werden hier folglich nur zitiert.

Kehrum und lies nicht weiter, wenn dein Ehrenzipfel gefährdet ist! Statt nach Spalt zu fahren, kann man auch Schlitz, Möse oder Dose als Fahrtziel ansteuern. Scheidenthal und Lochham sind weitere Favoriten, falls Sie noch nicht in Hexenloch, Lüdenscheid oder Neupfotz waren. Erst wenn es über Petting hinaus geht und man über Geilenkirchen auf Hartenholm zusteuert, sollte vor Rammelsbach in Rüsselsheim eine Rast eingelegt werden. Zwischen Samersberg und Wurzelbrunn führt der Weg dann weiter nach Poppenbüll zum endgültigen Reiseziel Fickingen. An der letzten Gabelung fällt die Entscheidung für Wilsdruff. Dann mal Schot- und Mastbruch - wie sich die Segler unter den Verkehrsteilnehmern gutes Gelingen für die Reise wünschen! Wir sehen uns ins Glücksburg...