Cross Roads - die (noch) unbekannte Größe

Wow! Was für eine imposante Erscheinung!

Elegante fließende Linien. Durchgestylt vom Scheinwerfer bis zum Heckfender. Vorne und hinten breit, in der Mitte Wespentaille mit Sitz. Winzige LED-Blinker, LED-Bremslichter. Chrom, soweit das Auge reicht - ein Bild von einem Motorrad!

Das auffällige und elegante Design der Cross Roads begeistert auf ganzer Linie. Sehen wir hier mal von Harley-Puristen, Custom-Bikern oder Enduro-Fans einmal ab. Leute wie du und ich, Nicht-Motorradfahrer aber durchaus auch Kenner ziehen den Hut vor der Victory und stehen bewundernd und anerkennend vor dem Bike und loben das Äußere: Was für ein schönes Motorrad. Auch die schiere Größe imponiert. Viele (auch Frauen und natürlich Buben) fragen, ob sie einmal aufsitzen dürfen: Gerne doch!

Den Tourer in der Victory Cross Roads entdeckt man sofort. Große leicht abnehmbare Windschutzscheibe, weit nach hinten zum Fahrer gebogener Lenker, verchromte Sturzbügel, Trittbretter, die ihren Namen verdienen, bequemer weich gepolsterter Fahrer- und Soziussitz, riesige Hartschalen-Gepäckkoffer.

Gewaltiger Motor
Als Sahnestück in wundervoller Optik sitzt zwischen allem der gewaltige Freedom-Zweizylinder in V-Form in Schwarz und Chrom mit seinen 106 cubik-inch (1.731 cm⊃3;). Das für die 2011er Modelle überarbeitete Triebwerk – vier Ventile pro Zylinder und oben liegende Nockenwellen - brabbelt mit reichlich 89 PS und einem Drehmoment von mindestens 140 Nm ruhig vor sich hin, bereit zu bäriger Beschleunigung, sattem Durchzug und Höchstgeschwindigkeiten, die niemand wirklich braucht. Dank gut packender Doppelscheibenbremsen vorn lässt sich die Geschwindigkeit aber sicher wieder reduzieren. Trotzdem wäre zumindest die Option auf ein ABS-System dringender Wunsch für die Modelle des kommenden Jahres.

6-Gang-Overdrive-Getriebe
Zur richtigen Gangwahl ist ein nun nochmals erheblich verbessertes 6-Gang-Overdrive-Getriebe angeflanscht, das die Motorpower per karbonverstärktem Zahnriemen auf die Hinterachse überträgt und die Fuhre mit kernigem Klack, Klack zur gewünschten Drehzahl und Beschleunigung verhilft. Damit lässt sich wohltuend lässig im unteren Drehzahlbereich cruisen – mit dem beruhigenden Gefühl, jederzeit auf das satte Spitzendrehmoment von 153 Nm bei 2.800 Umdrehungen des V-Twins zurückgreifen zu können. Eine neue Leerlaufschalthilfe erleichtert das Herunterschalten in den Leerlauf, eine veränderte Hauptwellenkonstruktion verringert die Lastwechselreaktionen um 66 Prozent. Die Steuerkettenspanner sind selbst justierend, Ölwechsel werden nur noch alle 8.000 km fällig.

Tourer-Ausstattung
Die Victory Cross Roads Basic und Cross Roads Deluxe sind 2011 neu auf dem deutschen Markt. Direkt beim Händler lassen sie sich dank zahlreicher Ausstattungsvarianten ganz nach persönlichen Vorlieben ausrüsten. Mit ihren Stauräumen von 66l in den weichen bzw. 79l in den harten Gepäckkoffern (Deluxe) setzen die Modelle Maßstäbe in ihrer Klasse. Dies gilt gleichfalls für den bestechenden Reisekomfort dank hervorragend gepolsterter und breiter Sitze, ausgezeichneter Federung sowie der gelungenen Abstimmung des Fahrwerks.

Fahreindrücke
Schon beim ersten Aufsitzen hat man das Gefühl, auf einem schweren Motorrad zu sitzen, bei einem Leergewicht von mehr als 350 kg ja auch kein Wunder. Der riesige Tank vor einem fasst ordentliche 22 Liter, die für einen hohen Aktionsradius sorgen. Der Tacho liegt sehr gut im Blick und informiert umfassend über alle Betriebszustände. Die Ziffern für die Geschwindigkeit sind asymmetrisch angeordnet, d.h. dass die Spreizung zwischen 20 und 30 oder 50 und 60 so weit gedehnt ist wie im höheren Geschwindigkeitsbereich etwa 140 und 160 km/h. Das erleichtert innerorts oder auf Landstraßen erheblich die Ablesbarkeit des vorgeschriebenen exakten Tempos. Die nachts blau illuminierte Anzeige zeigt in digitaler Form auch ständig den gerade eingelegten Gang sowie die momentane Drehzahl. Der Bordcomputer verrät dann je nach Einstellung weitere Fahrdaten.

Der einfach mit dem rechten Daumen zu bedienende serienmäßige Tempomat hilft zuverlässig, immer die richtige Geschwindigkeit einzuhalten. Schalter und Hebel sitzen sämtlich an der richtigen Stelle, sind leicht zu finden (nachts) und ebenso leicht zu bedienen. Die Touringscheibe möchte man nach wenigen Kilometern schnellerer Autobahnetappen keinesfalls mehr missen. Um sich mehr Wind um die Nase wehen zu lassen, wie etwa bei langsameren Entdeckertouren auf Mallorca, lässt sich die Scheibe per Inbusschlüssel in kürzester Zeit demontieren – das hilft gut an heißen Tagen!

Fahrer und Sozia fühlen sich im weich gepolsterten Gestühl der Victory auf Anhieb wohl aufgehoben und bequem untergebracht. Auch nach längeren Strecken steigen beide entspannt von der Maschine, ohne über Beschwerden an Rücken, Beinen oder dem Allerwertesten zu klagen. Zum Wohlgefühl tragen wesentlich auch der ruhige Motorlauf sowie das optimierte Fahrwerk mit langen Federwegen bei. Langstreckentauglichkeit: perfekt!

Dem Fahrer streckt sich der Lenker stark entgegen. Dies führt einerseits zu einer aufrechten und entspannten Sitzposition. Andererseits ist die Lenkgeometrie etwas gewöhnungsbedürftig, die ersten engen Kurven vermitteln ein eher indirektes Lenkgefühl, was sich aber nach Eingewöhnung wieder legt.

Erfreulicherweise hat Victory bei der Fußschaltung auf eine Wippe verzichtet, die den Fersen doch immer wieder eher im Weg steht. So ist auf der linken Seite das Schalten und Abstellen des Fußes auf der Riesenplatte ein pures Vergnügen. Für den rechten Fuß gilt eigentlich das Gleiche, jedoch könnte der kleine Bremshebel durchaus als richtiges Pedal mit mehr Fläche ausgelegt sein. Wäre ja leicht zu machen für 2012 …

Ein ganz dickes Plus kann die Victory zum Schluss noch eindeutig für sich verbuchen: die Schräglagenfreiheit! Wo bei anderen Motorrädern schon der Sicherheitsnippel schrammt oder das Trittbrett mit sprühenden Funken unmissverständlich zur Mäßigung warnt, legt sich die Victory gerne und ohne Probleme noch ein paar Grad mehr auf die Seite. Knieprotektoren sind zwar nicht erforderlich, aber eine gehörige Portion mehr Sicherheitsgefühl vermittelt diese Kurvengängigkeit auf jeden Fall!

Preise
Beide Versionen sind in den Farben Solid Black oder Solid Crimson erhältlich. Die Preise -Cross Roads Basic 16.990 Euro, Cross Roads Deluxe 17.990 Euro – sind marktgerecht und verglichen etwa mit einer Harley Davidson Heritage Softail Classic sogar wirklich günstig.