Viele Wege zum Ziel: Biken auf Mallorca

Motorrad-Saison ist hier immer!

Die Motorrad-Saison dauert das ganze Jahr - zumindest auf Mallorca. Ok, im Juli und August wird's richtig heiß unterm Helm. Dafür sind die Straßen leer, weil alle am Strand liegen. Und zwischen November bis März regnet auch schon mal ein Schauer vom Himmel, dafür herrschen milde Temperaturen und meist frühlingshaftes und sonniges Wetter. Also egal wann: runter und fahren!

Typisch Mallorca

Nun liegt das 17. Bundesland der Deutschen außerhalb der nationalen Grenzen, ist aber per Flieger in gut 2 Stunden schnell und täglich mehrmals erreichbar; Motorräder kann man vor Ort ausleihen. Wer mit eigenem Motorrad auf der Insel herumkurven möchte, kommt an einer längeren Überlandfahrt und der Fähre nicht vorbei. Doch auch hierfür gibt es inzwischen bequeme Möglichkeiten - vom Transport der Maschine per LKW bis hin zum Autoreisezug. Letztlich kommt der Hardcore-Biker mit ausgeprägtem Zeitbudget auch auf eigenen Rädern mit Zwischenstopps ans Ziel. Doch nicht für jeden ist jede Anreise geeignet. Wir helfen bei der richtigen Entscheidung.

Übersicht

I. Rent a Bike

Moped mieten

(Wieder-)Einsteiger und Deutschländer ohne eigenes Motorrad fliegen allein oder mit Sozia günstig in den individuellen oder All-Inclusive-Inselurlaub. Zahlreiche Rent a Motorbike-Stationen bieten oft direkt am Urlaubsort vom 50ccm-Roller über 125er, 250er bis hin zu – seltener – leichten BMW-Reiseenduros sowie schweren Harley Davidson alles an, was das Biker-Herz begehrt. So reißt der Tagesausflug mit einem 750er Honda Shadow-Chopper und rund 90 € pro Tag (von 8 bis 20 Uhr) kein allzu großes Loch in die Urlaubskasse. Eine Harley kann dagegen auch das Doppelte kosten.

Unser Tipp: Vor der Reise die Angebote verschiedene Anbieter in der Nähe des Urlaubsortes im Internet vergleichen - und gleich online buchen! Die Kontingente an attraktiven Motorrädern sind oft begrenzt und schnell ausgebucht. Nicht vergessen: Ausweis, Motorradführerschein und Kreditkarte sind bei der Abholung obligatorisch! Halbwegs passende Helme verleiht der Vermieter gratis dazu. Will man die Insel intensiver erkunden, so lohnt sich die Anmietung für mindestens 2 Tage. So kann man auch spät abends noch mit dem Bike vom Restaurant nach Hause fahren.

II. Geführte Harley-Touren

Mit Nobbi unterwegs

Für den, der sich auf der Insel noch nicht so auskennt, ist sicher eine geführte Tagestour auf einer Harley Davidson eine interessante Alternative. „Motorcycle Cruising Mallorca“ nimmt - sofern nicht komplett ausgebucht - gern auch mal einzelne Gäste für eine Etappe mit auf Tour. Anfragen lohnt sich auf jeden Fall!

Mallorca und Harley total
Eine Woche lang jeden Tag im Sattel einer Harley Mallorcas schönste Strecken und Flecken zu entdecken (wie poetisch...), das ist die Spezialität von Motorcycle Cruising Mallorca. Der aus Berlin stammende Harley-Freak Nobbi und seine Familie bieten den Gästen eine Woche lang puren Motorrad-Genuss auf den 7 eigenen Heritage Softails plus All Inclusive-Verwöhnprogramm auf der romantischen Finca mit Pool. An-und Abreise ist immer samstags, Nobbis Shuttle-Service übernimmt den ca. halbstündigen Transfer zwischen Flughafen Palma und der Finca bei Santanyi. Gut gepflegte junge Harleys warten schon in der Hallen-Garage auf ihren Einsatz, doch zuvor zeigen Nobbis Frau Moni, seine Tochter Jenny und Schwiegersohn Basti, welch familiäre Gastfreundschaft die Neuankömmlinge zu erwarten haben. Wünsche werden von den Augen abgelesen, keiner kocht besser als Jenny, Bier gibt‘s vom Fass. Kein Wunder, dass sich jeder in der großen Familie sofort wohl fühlt und von Anfang an den Urlaub genießt.

6 Tagestouren

Gebirgspässe, Häfen und Meer
Sonntags kennt sich die bunte Truppe dann schon recht gut, wenn Nobbi zum ersten Ausritt bläst. Der alte Hase fährt und führt jede einzelne Tour höchstpersönlich. Die erste Inselrunde nutzt Nobbi, um die Motorrad-Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer einschätzen zu können. Von Tag zu Tag werden die Strecken anspruchsvoller, stets aber ausgerichtet am schwächsten Glied der Truppe. 200 km und mehr kommen so täglich auf den Tacho, jede Tagesetappe führt zu anderen Highlights und Sehenswürdigkeiten der Insel. Die wenig befahrenen Straßen und verschlungenen Wege über die Insel kennt Nobbi wie kaum ein Zweiter. Autobahnen werden ohnehin gemieden. Die Routen hat der Führer so ausgewählt, dass etwa ein Drittel des Weges auf schnelleren langen und weit geschwungenen Kurven absolviert werden, ein Drittel aus engen schmalen Wegen mit vielen Biegungen besteht und ein Drittel Passagen mit Spitzkehren zu bewältigen sind, die einer Dolomitentour zur Ehre gereichen würden. Ziele und Pausen sind so ausgewählt, dass die Biker in einer Woche Mallorcas vielfältige Schönheiten, Kultur und Natur erleben können. Abends nach der Rückkehr warten dann Paella oder Grill, ein frisch Gezapftes sowie der Pool und feucht-fröhliche Gesprächsrunden unter Gleichgesinnten auf die erschöpften Biker. "Und morgen machen wir dann Sa Calobra und das Cap Formentor...- Prost!"

Preis pro Woche (all incl. außer Flug)
Fahrer ab 1.455 Euro, Beifahrer 495 Euro
Info und Buchung: www.motorcycle-cruising-mallorca.com

III. Mallorca auf eigenem Bike

Die Krönung für stolze Bike-Besitzer ist natürlich die Entdeckungsreise der Trauminsel mit der eigenen Maschine. Was sich zunächst als umständlich, aufwändig und teuer anhört, muss es aber gar nicht sein. Wir stellen Alternativen vor, wie Mallorca unter die eigenen Räder genommen werden kann:

Das Ziel ist das Gleiche, die Wege jedoch sind höchst unterschiedlich. Dabei spielen mehrere Kriterien eine Rolle, um die für sich richtige Wahl zu treffen. Die Kosten - das werden wir noch sehen - sind eher von untergeordneter Bedeutung. An vorderster Stelle steht vielmehr der Faktor Zeit. Wer z.B. mit 2 Wochen Urlaub auskommen muss, braucht über die lange Fahrt zur Mittelmeer-Insel nicht weiter nachzudenken. Auch Autozug plus Fähre fressen wertvolle Urlaubstage.

III. 1. Organisation mit Profis

Organisation von A-Z

Klare Ansage: Motorrad per Container auf die Insel schicken, passende Flüge für sich selbst buchen und schon nach 2 Stunden ab Palma jeden freien Tag genießen!
Diese Variante kann jeder individuell planen, einfacher (und meist günstiger) geht es mit Unterstützung von Spezialisten. Einen Namen haben sich hier insbesondere Eagle Adventure Tours (EAT) und SKS gemacht. Da muss sich auch der termingeplagte Manager um nichts mehr selber kümmern, die Jungs regeln alles, was für unbeschwerte Urlaubstage nötig ist - und mehr. Vorbereitete Routen, Events und Partys, Insidertipps, gemeinsame Ausfahrten, beste Restaurants und Unterkünfte, Chillen am Strand, Begegnungen mit gleichgesinnten Menschen: Alles liegt in professionellen Händen.

Beispiel 1: Eagle Adventure Tours

Neben Amerika auch Mallorca im Programm

Eagle Adventure Tours aus Marburg hat neben seinen renommierten USA-Reisen auch Mallorca im Programm. Einmal jährlich organisiert EAT eine geführte Tour über die Insel. Die Firmenchefs Dragos Stroica und Erik Metzger setzen ihre Devise auch bei dieser Veranstaltung konsequent um: Sie engagieren keine Tour Guides, sondern sind immer selbst mit von der Partie und betreuen ihre Gäste rund um die Uhr persönlich.

Termin 2012: 3. Juni bis 9. Juni 2012, 7 Tage, 6 Nächte
Preise: 1.679 Euro pro Person im DZ, 949 Euro Beifahrer
Eingeschlossen: 6 Übernachtungen inkl. Frühstück auf einer Luxusfinca
Motorradtransport ab/bis Böbingen - Mallorca
Transfer ab/bis Flughafen Mallorca - Finca
Gepäcktransport ab/bis Flughafen Mallorca -Finca
BBQ-Abend, 5 geführte Touren
Nicht eingeschlossen: Flüge und Bike-Transfer Heimatort - von/nach Böblingen
Info und Buchung: www.eagleadventuretours.de

Beispiel 2: SKS: Reisen und Bike-Shuttle

Harley und SKS organisieren Mallorca Bike Week

„Viva España! Malerische Dörfer, weite Strände, eindrucksvolle Berge und nahezu ganzjährig traumhaftes Wetter – das ist Mallorca! Doch seit dem Jahr 2006 ist die Insel noch etwas mehr, nämlich Veranstaltungsort der von Harley-Davidson organisierten Mallorca Bike Week.“ So läutet die Speditions- und Reisefirma SKS ihre Webseite für die alljährliche Bike Week auf Mallorca ein. Die Riesenparty steigt stets im Herbst und findet in diesem Jahr vom 31.10. bis 6.11. im Robinson Club Cala Serena bei Cala d’Or statt. Die Teilnehmerzahl ist stets begrenzt und der Event nur im Paket bei SKS buchbar. Um dabei zu sein, sollten sich Interessenten schon jetzt für 2012 anmelden. Die SKS GmbH wurde 1995 gegründet und wird seitdem vom Geschäftsführer Adrian Kießling geleitet. Der Firmensitz ist Mogendorf.
Info und Buchung: www.sks-bikeshuttle.de oder www.sks-reisen.de.

III. 2. Per Autozug in den Süden

Einfache Rechnung, teurer Komfort

Am 1. April 1930 wurden in Deutschland die ersten Autos per Eisenbahn transportiert. Legendär: der Sylt-Shuttle über den Hindenburgdamm. Aber wissen Sie auch, dass die Autoreisezüge von Deutschland aus in den Süden attraktive Alternativen sein können - im Vergleich zur Autobahnraserei mit Staus, Tempolimits, Mautgebühren, Vignetten, Übernachtungs- und Restaurantkosten, Kosten für Verschleiß und Treibstoff. Nachlassende Konzentration und Ermüdung sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Und wer damit angibt, die 1.500 km nach Barcelona an einem Stück "runterzureißen", ist garantiert mehr als urlaubsreif!

Einfache Rechnung
So lässt sich leicht ermitteln, dass die Reise im Autozug z.B. nach Avignon oder Narbonne in Südfrankreich wesentlich entspannter verläuft und hinsichtlich Kosten auch nicht teurer kommt als die Fahrt auf eigenen Rädern. Deutsche Abfahrtsterminals liegen meist in der Nähe oder maximal wenige Hundert Kilometer vom Heimatort entfernt, obwohl das Programm inzwischen leider drastisch zusammengestrichen wurde. Da die Züge allesamt abends starten und nachts unterwegs sind, sind die Bahnhöfe mit dem Motorrad in einer kleinen Tagesetappe locker und pünktlich zu erreichen. Beliebte Terminals sind etwa Hamburg, Hildesheim, Düsseldorf und Neu-Isenburg bei Frankfurt.

Von wo aus welche Züge konkret wohin fahren, schaut man am besten im Internet unter www.dbautozug.de nach. Dort informiert die Bahn über ihre je nach Termin und Saison recht unterschiedlichen Preise und auch über spezielle Angebote wie etwa für Biker oder andere besonders preisgünstige Reisen. Vor der problemlosen Online-Buchung sollte man aber genau wissen, welche Kategorie der nächtlichen Unterbringung im Zug gewünscht wird und was diese kostet. Die Preise unterscheiden sich je nach Komfort erheblich.

Komfort kostet
Am günstigsten schläft derjenige, der das Liegewagenabteil mit bis zu vier anderen Mitreisenden teilt. So kommen Bike samt Fahrer und Sozia selbst in der Hauptsaison schon für rund 450 Euro mehr oder weniger ausgeschlafen nach Südfrankreich (Neu Isenburg - Narbonne). Wer empfindlich auf die Nähe oder die "Emissionen" fremder Menschen wie Schnarchen, Schweißgeruch oder Alkoholfahne reagiert, sollte lieber gleich das komplette Abteil für sich reservieren. Die so gebuchte Intimität kostet dann (Sozia inklusive) etwa 600 Euro. Der Komfort lässt sich durch die Wahl eines Bettes oder ganzen Abteils im Schlafwagen noch steigern, wofür dann aber auch großzügige 800 Euro aufgerufen werden. Die Preise variieren erheblich, so dass zeitlich flexible Menschen je nach Wochentag locker 100 Euro und mehr sparen können. Die teuerste Variante in der Hauptsaison inklusive Hin- und Rückfahrt (!) für 2 Personen im Schlafabteil samt Motorradtransport kann auch mal mehr als 1.300 Euro kosten. In der Nebensaison reist eine Person samt Bike schon für faire 229 Euro von Neu Isenburg nach Narbonne.

Der Speisewagen öffnet zur Abfahrt bis gegen Mitternacht, so dass sich das Abendmahl und Getränke aus der üblichen Menükarte zusammenstellen lassen. Morgens serviert das Bordpersonal Kaffee und ein Päckchen Frühstück direkt am Platz. Kurz danach läuft der Zug im Zielbahnhof ein. Motorradfahrer erwarten mit Spannung die Entladung ihrer wertvollen Maschinen. Erleichterung macht sich breit, wenn die Bikes unversehrt an dem Platz stehen, wo sie tags zuvor von den Bahnprofis sicher verzurrt wurden. (Exkurs: Hochachtung und ein fettes Lob an diese hart arbeitenden Jungs - sie leisten erstklassige Arbeit!) Helm auf, Kopf einziehen, Motor starten und gesenkten Hauptes ganz langsam und vorsichtig das Untergeschoss des Transporters verlassen, die samt Gepäck wartende Sozia nicht vergessen und los geht's - der Sonne entgegen!

Von Narbonne aus sind etwas mehr als 300 km bis zur Fähre in Barcelona zurückzulegen, die gegen 23 Uhr nach Palma/Mallorca ablegt. Genügend Zeit, um die Fahrt auch jenseits der Autobahnen zu genießen. Das spart Maut und führt über gut ausgebaute Straßen durch herrliche Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens entlang des Mittelmeeres. Der Urlaub hat begonnen!

III. 3. Anreise auf eigenen Rädern

 

(Tor)Tour oder Entdeckungsreise

Auf die Sichtweise kommt es an! Wer die Fahrt vom Heimatort auf die deutsche Lieblingsinsel komplett auf eigenen Rädern und eigene Faust plant (die Fähre lässt sich allerdings nicht umschiffen), sollte die An- und Abreise als wesentlichen Teil des Urlaubs sehen. Schließlich ist es nicht jedermanns Sache, mehrere Tausend Kilometer runter und wieder rauf zu schrubben. Da bleibt jeglicher Genuss im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke.

Ganz anders stellt sich die Route dar, wenn Menschen mit Zeit und Sinn für Natur und Kultur unterwegs sein wollen. Die zu durchfahrenden Gegenden sind meist allein schon eine Reise wert. Denken wir an die Schweiz, die Alpen, Frankreichs Regionen wie Provence, Languedoc-Roussillion oder Nordspaniens Mittelmeerküsten. Kulturell wie historisch bedeutende Städte wie etwa Avignon, Arles, Nîmes, Narbonne oder Cadaques säumen den Weg. Warum ihn also nicht zum Teilziel der Reise erklären und gebührende Pausen mit Übernachtungen und Sightseeing einplanen? Und wenn es ein paar Tage länger dauert - die Fähre nach Mallorca verkehrt jede Nacht, und für Biker gibt es eigentlich immer auch spontan ein Plätzchen an Bord.

Ein wenig Planung vor der Reise kann trotzdem nicht schaden. So finden sich gute Strecken abseits der Autobahnen, günstige Nachtlager und die lohnenswerten Abstecher. In zwei bis vier Etappen lässt sich Barcelona (ebenfalls sehr sehenswert) entspannt erreichen. Nach rund 7 Stunden Schiffsreise legt die Fähre am frühen Morgen im Hafen von Palma an. Die einfache Passage kostet für 1 Person inkl. Bike zwischen 90 und 140 Euro, je nach Reisezeit.
Info und Buchung z.B.: www.directferries.de

Fähre Barcelona - Palma

Fazit

So, liebe Leser: Das Ziel ist klar, die Wege unterschiedlich. Jeder Weg hat seinen eigenen Reiz, jeder Biker seinen eigenen Weg. Nur eins noch: Trefft euch alle auf Mallorca und genießt die Insel auf zwei Rädern! Ich bin da und dabei!
-mjm-