Heritage Softail Classic

Oster-"Fest"

Das dickste Ei hatte nicht der Osterhase gelegt, sondern Petrus mit seinem Traumwetter zu den Feiertagen über ganz Deutschland. Geniale Bedingungen, um die Harley Davidson Heritage Softail Classic des aktuellen Baujahres zum Osterspaziergang zu bitten. Tagestouren rund um München und ins Voralpenland absolvierte die Heritage Softail auf schnellen Autobahnstrecken, weit geschwungenen Landstraßen, in engen (Spitz-)Kehren und beim Stop and Go in Ortsdurchfahrten. Fazit nach den Oster-Trips: Die Maschine brabbelt zufrieden vor sich hin - der Fahrer auch!

Am Karfreitag in der Früh um 7 Uhr schläft noch alles in der Wohnstraße - außer mir. Es soll früh losgehen in die aufgehende Sonne. Der Elektrostarter weckt den dicken luftgekühlten V-Twin mit knapp 1.600 ccm, der sofort mit seinem unvergleichlichen Blubbern die ersten Umdrehungen hinter sich bringt und wohl einige Anwohner aus dem Schlaf reißt. Zwar schützen die Emissionsvorschriften der deutschen Behörden die Umwelt nachhaltig vor zu viel Lärm, so dass sich das offene dumpfe Grollen der Harley im Auspuff verliert, jedoch auch in leiseren Tönen noch deutlich erkennbar bleibt.

Die Harley vom Seitenständer in Fahrposition zu hebeln, zeigt, dass die Amerikaner Schwermetall verarbeiten. 341 Kilo wiegt die nach Hardtail aussehende Softtail vollgetankt. Da braucht es schon ein wenig Voraussicht und Planung beim Einparken: Rückwärts schieben und manövrieren ist echte Muskelarbeit! Zum hohen Gewicht trägt massgeblich die üppige Ausstattung der Heritage Softail bei. Tourer-Scheibe, Zusatzscheinwerfer, Sicherheitssystem mit elektronischer Wegfahrsperre und Alarmanlage, ABS, Satteltaschen und Sissybar, Bordcomputer usw. sind Serie. Damit kostet die Classic in Vivid Black auch knapp 21.000 Euro. Viel Geld - viel Gegenwert. Denn nach wie vor sind die Harleys werthaltig wie kein anderes Motorrad.

Der Big Twin mit 1.600 ccm

Harley-Feeling

Also los! Easy Rider-Feeling ist schon beim Aufsitzen angesagt. Herrlich, wie die Füße entspannt auf den Trittbrettern ruhen, die Hände im richtigen Abstand den Lenker greifen, die tiefe und bequeme Sitzposition ein zusätzliches Sicherheitsgefühl vermittelt. Die Schwingungen und das Beben der früheren Harleys kennt die Softail nicht. Dank Ausgleichswelle treten ungewünschte Vibrationen in den Hintergrund. Leerlaufdrehzahl: um die 1.000 U/m. Klack - erster Gang. Kupplungsgriff lösen - schon bollert die Softail los wie ein Bär. 121 Nm bei 3.200 U/m sind ein Wort. Die Kraft kommt aus dem Keller, vor allem im dritten und vierten Gang geht es richtig ab. Im 6. Gang sind auch 180 km/h drin, Spaß macht der Maximalspeed aber nicht. Komfortable Reisegeschwindigkeiten bewegen sich zwischen 120 und 140 km/h, zum Genießen reichen 80 bis 120 km/h allemal.

Über jeden Zweifel erhaben sind mittlerweile die Bremsen bei Harley Davidson, zumindest bei den Maschinen mit serienmäßigem ABS, wie die getestete Heritage Softail es besitzt. Der Komfort ist ordentlich, auch lange Strecken machen Freude und ermüden nicht. Hier gibt sich die Softail alle Ehre: Die klassischen Harleys waren Hardtails, hatten also ein Starrahmen-Chassis. Das ungefederte Heck ermöglichte eine klare Linienführung und eine niedrige Sitzhöhe. Um Komfort und Optik unter einen Hut zu bringen, brachte der amerikanische Hersteller die Softail. Hier sitzt das Hinterrad in einer Dreiecksschwinge aus Stahlrohr; die beiden Federbeine sind waagerecht unter dem Motor versteckt und sorgen dort nahezu unsichtbar für Federungskomfort.

Harley fahren ist nicht nur Motorrad fahren, sondern vor allem in den Augen der Besitzer etwas Besonderes. Eine Lebensart, Ausdruck von Freiheit und Individualismus, ein Gefühl von Outlaw und Lonesome Rider. Klar fährt Harley Davidson hier eine klare Markt- und Marketingstrategie, aber das allein ist es nicht, da ist noch mehr. Sind Sie schon mal Harley gefahren? Dann wissen Sie es ...
-mjm-

Eine der Touren durch Oberbayern...