Toyota Pickup: Mission is possible!

Mission Is Possible!

Transport-Talent Toyota Hilux Single Cab 4x4
Fahrbericht von Martin Joachim

Sie transportieren ständig Ladegut? Lang, breit, hoch? Stroh oder Heu fürs Pferd? Brennholz für den Kamin? Eine erlegte Wildsau? Pflanzentröge und Gartenbaumaschinen? Quad oder Snowmobil? Egal: En Pickup muss her, so wie der Toyota Hilux. Egal, welche Transport-Mission Sie zu erledigen haben, laut Toyota ist nichts unmöglich.

Klare Sache: Entweder Sie nutzen die riesige Ladefläche häufig oder Sie haben das falsche Auto gekauft. Gerade ein Single Cab - wie der von uns getestete Toyota Hilux - ist der Lastesel unter den Pickup. 2 Personen sitzen vorn im Trockenen, Gepäck und alles andere findet unmissverständlich nur auf der offenen Ladefläche seinen Platz. Dafür ist diese dann gigantisch: Was hier nicht transportiert werden kann, benötigt einen Lastwagen. Die maximale Nutzfläche auf der Pritsche wird allerdings mit Kompromissen für die beiden Insassen der kleinen Kabine erkauft. Hinter den beiden Sitzen ist definitiv Schluss mit lustig. Die senkrechte Trennwand mit vergittertem Rückfenster macht deutlich: Dahinter ist draußen!

Wer also die mehr als 2,3 m lange Pritsche nicht unbedingt und häufig braucht, ist mit einem Extra Cab oder Double Cab wesentlich besser bedient. Die zweitürigen King Cabs bieten hinter den Frontsitzen Notsitze und ausreichend Stauraum für Gepäck; die viertürigen Double Cabs können von 4 bis 5 Personen bewohnt werden, was natürlich die achtern verfügbare Ladefläche erheblich verkürzt.

Die Verkaufsstatistik der drei Varianten des Toyota Hilux weist in Europa 63 Prozent für den Double, 26 Prozent für den Extra und 11 Prozent für den Single Cab aus. Wer also den Kauf eines Pickup in Erwägung zieht, sollte reiflich überlegen, wie lang die Ladefläche unbedingt sein muss. Meist ist die Double Cab-Version die beste Wahl für den durchschnittlichen Alltag.

Bleiben wir für diesen Test beim "Einzeller". Seine Eigenschaften - abgesehen von Kabine und Ladefläche - sind denen seiner Geschwister durchaus ähnlich. Nur den Single gibt es allerdings wahlweise mit reinem Heckantrieb oder mit zuschaltbarem Vorderradantrieb. Der 4x2 ist also definitiv der Lastesel unter den Toyota Pickups, zumal neben einer Ladefläche von 2315 mm x 1520 mm auch eine maximale Nutzlast von 1070 kg zur Verfügung steht. Für Transporte auch abseits der Straßen empfiehlt sich jedoch unbedingt die Allradversion, auch wenn die Nutzlast dann "nur" noch rund 800 kg beträgt. Mit automatischen Freilaufnaben ausgestattet lässt sich die Vorderachse einfach zuschalten. Für Vortrieb auch in schwierigstem Gelände sorgen ein zusätzliches Untersetzungsgetriebe sowie eine elektrisch schaltbare 100%-Differentialsperre an der Hinterachse. Und: Mit Wahl der 4x4 Version erhält man automatisch den stärkeren 2,5 l-Turbodiesel-Motor mit 144 statt 120 PS und einem satten Drehmoment von 343 Nm bei 1.600 bis 2.800 U/min. gegenüber 325 bei 2.000 U/min. Der Aufpreis zum stärkeren Allrad: knapp 4.000 Euro (24.573,- Euro).

Schon in der Grundausstattung bringt der Toyota alles Wesentliche mit. Zur Bedienung des 5-Gang-Getriebes wächst zwischen den Passagieren ein veritabler Schaltknüppel aus dem Boden, der seinem Namen bei rund einem halben Meter Länge alle Ehre macht. Sein kleiner Bruder rechts daneben waltet über den Zuschalt-Allradantrieb sowie das Untersetzungsgetriebe. Die hohe Sitzposition mit feinem Überblick über das Verkehrsgeschehen ringsum, riesige elektrische Außenspiegel, Lenkrad-Höhenverstellung, Sitzverstellung mit Platz auch für Riesen, elektrische Fensterheber, gute Sicherheitsausstattung usw. - alles serienmäßig an Bord. So weit, so gut.

Ein Blick in die Bestellliste für Extras und Zubehör verführt dann wohl doch zum Kauf einiger Optionen. Wer den Single Cab z.B. mal ohne sperrige Last, aber zu zweit für ein Wochenende mit etwas Gepäck nutzen möchte, sollte unbedingt einen verschließbaren Deckel für die Ladefläche ordern, sonst poltern Reisetasche und Koffer ungeschützt vor Wetter und Dieben auf der Pritsche herum.

Prägend für alle Hilux-Modelle - und damit verlassen wir Kabine und Pritsche - ist jedoch die massive und sprichwörtlich "unkapputtbare" Bauweise dieses Toyotas mit alter und bewährter Geländewagen-Technik. Wo die meisten modernen SUV zugunsten von Komfort und Verbrauch selbsttragende Karrosserien mit Einzelradaufhängung verbauen, erblickt der Kunde beim Hilux einen fetten Leiterrahmen mit hinterer Starrachse an Blattfedern. Mechanischer Allrad mit Untersetzung statt elektronischer Regelung kommen hinzu. Diese Technik macht den Hilux zum wahren Arbeitstier, das wirklich überall hin, durch und wieder zurück kommt.

Es verwundert daher auch wenig, dass der Hilux - vor allem unbeladen - etwas holperig über asphaltierte Strassen läuft. Sein Fahrwerk ist für die harten Seiten des Lebens ausgelegt, und erst dort - beladen und abseits befestigter Wege - offenbart sich das wahre Können des Toyota. Unerschütterlich wühlt sich der Hilux durch Schlamm, Geröll oder Tiefschnee, wie bei den Testfahrten in Bayern. Jederzeit hat der Fahrer das Gefühl, ans Ziel zu kommen, wo auch immer das sein mag. Der Testverbrauch mit Heckantrieb und im gemischten Betrieb mit Autobahnen, Landstraßen und Stadtverkehr lag stets zwischen 10 und 11 Liter Diesel auf 100 km. Für Allrad-Betrieb, Beladung und Geländefahrten dürfte ein entsprechender Aufschlag fällig werden.

Im erst kürzlich überarbeiteten Modell macht der Toyota außerdem stets eine gute Figur. Auch vor der viel zitierten Oper kann man - frisch gewaschen (sowohl Insassen als auch das Auto) - getrost vorfahren. So präsentiert sich der Toyota Hilux Single Cab 4x4 als wahres Multitalent für jedwede Transportaufgabe, wobei Insassen besser in den beiden anderen Modellen auf ihre Kosten kommen. In deren möglichen Austattungsvarianten Life und Executive lässt sich gar im Luxus schwelgen, wofür dann aber auch locker bis zu 40.000 Euro fällig werden können.

Übrigens: Wenn Sie im Hochsommer mal gerade keine Transport-Mission zu erledigen haben, dann kleiden Sie die Pritsche mit einer großen Plastikfolie aus, füllen mit dem Schlauch ein paar hundert Liter Wasser ein - und feiern mit Familie oder Freunden eine coole Pool-Party... Mission is possible!