KIA SOUL - Fotostrecke am Ende des Artikels

"Wow, sieht der cool aus!"

Platz für Kind und Kegel

Passanten schauen auf den roten Kia Soul, schlendern bewundernd um ihn herum, blicken durch die schwarz getönten Scheiben hinein - und finden das ihnen noch unbekannte Crossover-Auto megastark.

Rot muss er sein. Florentinerrot.

Mit Schwarz. So hat sich der Kia Soul das Herz der Redaktion erobert. Erste Begegnung: Mächtig steht er da. Er ist viel größer, als er auf Bildern wirkt. Kein Kleinwagen à la Fiat Panda, sondern ein ausgewachsener Crossover mit Elementen eines SUV, eines Kombis, eines Stadtflitzers. Wie zum Sprung gespannt wartet er auf den Start mit seinem eleganten Design auf nur 4,10 Metern Länge, hoher Dachlinie, markanter Karosseire, langem Radstand und großen Rädern. Die Fenstergrafik mit hochglänzenden schwarzen A-Säulen lassen die Front- und Seitenscheiben wie ein durchgehendes Visier aussehen. Einfach schön. Dafür erhielt der Soul den weltberühmten „red dot“-Designpreis – als erstes koreanisches Fahrzeug überhaupt.

Große Tasten, edle Ablagen

Per Fernbedienung öffnet sich der rote Renner und gibt den Zugang über seine 4 Türen und die Heckklappe frei. Wow! Ist der stylisch! Das freche Außen-Design setzt sich innen fort. Alles wirkt fein abgestimmt in rot-schwarzem Look. Türverkleidungen, Sitze, Armaturenbrett – sogar das Handschuhfach. So wird auch Hartplastik ansehnlich. Erste Sitzprobe. Ein wenig schieben, drehen, justieren – perfekt. Ein wohliges Gefühl stellt sich hinter dem Lenkrad ein. Der Rundumblick gefällt, der Überblick über das Straßengeschehen überzeugt dank der hohen Sitzposition noch mehr. Man fühlt sich erhaben und sicher aufgehoben. Das Auge schweift über das aufgeräumte und gut ablesbare Armaturenbrett mit rot hinterleuchteten Rundinstrumenten, die „schwebende“ Mittelkonsole weiß mit griffigen und üppig dimensionierten Knöpfen für Audio und Lüftung zu gefallen. Die Bedienung leuchtet auf Anhieb ein – Umgewöhnung ist nicht nötig. Die Platzverhältnisse hinten gehen ebenfalls in Ordnung, dank asymetrisch klappbarer Rücksitzbank kann - ruckzuck - Platz für mehr Ladegut geschaffen werden.

Muskulös und gespannt zum Sprung

Nun mal los! Der Testwagen ist mt dem 126 PS starken 1,6 l-Benziner ausgerüstet, als alternative Antriebsquelle läßt sich für rund 1.800 Euro Mehrpreis auch der 128 PS leistende Diesel mit gleichem Hubraum ordern. Anstandslos springt der Motor an, dreht zügig hoch, verlangt den 2. Gang, dann den dritten – und schon droht Führerscheinverlust wegen überhöhter Geschwindigkeit. Der Motor hängt gut am Gas, setzt Befehle augenblicklich in Leistung und Vorwärtsdrang um. Die angetriebenen Vorderräder bringen die Kraft auch gut auf den Boden, so dass die Fuhre schnell in Schwung kommt. Der 16-Ventiler aus Vollaluminium will allerdings Drehzahl, was beim Spurt, beim Überholen und in hügeligem Gelände fleißiges Schalten bedeutet. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Soul in glaubhaften 11 Sekunden, je mehr sich dann die Tachonadel der 200 km/h-Marke nähert, um so zäher verläuft dann naturgemäß der Geschwindigkeitszuwachs.

Wesentlich entspannter lässt es sich im Kia reisen statt rasen. Dies kommt nicht nur dem Komfort (u.a. weniger schalten) zu Gute, sondern entspricht auch eher dem Charakter des Autos. Nur so bewegt man den Kia auch in Verbrauchsdimensionen, die den angegebenen Wert von durchschnittlich 6,5 l Superbenzin wenigstens annähernd erreichen könnten. Während unserer Testfahrten haben wir den Wert von 7 Litern jedoch nie unterschreiten können. Im Gegenteil: Bei schnellen Autobahnabschnitten und im Stop-and-Go-Verkehr der Münchener Innenstadt fließen auch mal locker 9 Liter aus dem Tank, bis 100 Kilometer abgespult sind – deutlich zu viel! Und da der Tank nur ein bescheides Volumen aufweist, steht man oft nach gut 400 Kilometern wieder an der Tankstelle.

Mit deutlich mehr Drehmoment verspricht der etwa gleich starke Dieselmotor (260 Nm bei 1.900 bis 2.750 Umdrehungen gegenüber dem Benziner mit 156 Nm bei 4.200 U/min.) eine besser zum Fahrzeug passende Motorcharakteristik und wesentlich niedrigeren (realistischen) Verbrauch. Kia erwartet denn auch, dass die Dieselausführung die meist georderte Variante am Markt sein wird. Zudem gibt es nur den Diesel wahlweise mit Automatikgetriebe statt der serienmäßigen 5-Gang-Schaltung.

Von Soul bis Spirit

Ausgezeichnetes Design

Serienmäßig ist der Kia Soul im Übrigen in der Grundvariante „Soul“ bereits recht gut ausgestattet. Vor allem an der Sicherheit wurde nicht gespart: sehr löblich!

So sind Fahrer- und (abschaltbarer) Beifahrerairbag, Seitenairbags vorn sowie Kopfairbags vorn und hinten, Gurtstraffer und –begrenzer, aktive Kopfstützen, ABS, ESP und viele andere Features bei allen Ausstattungslinien Serie.
Gegenüber der Grundvariante bietet die „Attract“-Version im Wesentlichen zusätzlich eine Klimaanlage.
"Vision"
bietet darüber hinaus die empfehlenswerte Höhenverstellung des Fahrersitzes, Lenkradfernbedienung des Radios, Nebelscheinwerfer, elektrische und beheizbare Außenspiegel sowie Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung. Anstatt der 15-Zoll-Stahlfelgen der Grundmodelle kommen hier 16-Zoll-Alufelgen mit 205/55 R16 zum Einsatz.
„Spirit“ ergänzt die „Vision“-Ausstattung um Parksensoren hinten, Sitzheizung für das Frontgestühl, Dachreling und weitere Designelemente. Die üppigen 18-Zoll-Räder mit Niederquerschnittreifen der Dimension 225/45 R18 der "Spirit“-Ausführung stehen dem Kia ausgezeichnet – zumindest von außen. Allerdings gehen sie wohl deutlich zu Lasten des Komforts, denn kurze Bodenwellen, Gullideckel und schlecht sanierte Straßen machen klar auf sich aufmerksam, was sportliche Fahrer vielleicht auf der positiven, Komfortverwöhnte sicher auf der negativen Seite vermerken.
Leider nur für die oberste Ausstattungslinie gibt es Sonderpakete wie etwa das elektrische Glasschiebedach mit Rollo, das Soundsystem mit Subwoofer, Verstärker und Zusatzlautsprechern sowie die geniale Rückfahrkamera mit Farbdisplay im Innenspiegel. Auch wer mit Rot oder Beige frische Farben in den Innenraum bringen will, muss zum „Spirit“ greifen.

Bei den Preisen hat der Kunde die schwere Wahl zwischen der „Soul“-Basisvariante für 14.980 Euro am unteren Ende , dem „Attract“ für 15.900 Euro, dem „Vision“ für 17.450 Euro (Benziner) und 19.225 Euro (Diesel) und der Automatikversion des mit allen Paketen bestückten „Spirit“-Diesel mit über 27.000 Euro an der Spitze. Eine Preisspanne, die dem Wert des eingangs erwähnten Fiat Panda entspricht ...
Zu Recht stolz ist Kia auf die Langzeit-Garantie. Für den Soul gewährt Kia 5 Jahre Garantie (nicht nur Gewährleistung!) auf Fahrzeug, Mobilität und Lack sowie 10 Jahre gegen Durchrostung. Dabei gelten diese Garantien auch noch ohne jegliche Kilometerbegrenzung. Vorbildlich!

Wenn schon, denn schon!

Fazit:
Die Redaktion empfiehlt dem Wenigfahrer den Kia Soul in der Ausführung „Attract“ mit Benzinmotor für 15.900 Euro. Das Modell hat die obligatorische Klimaanlage sowie alle Sicherheitsfeatures inklusive ESP an Bord. Steuern und Versicherung sind günstig. Eine bessere Hersteller-Garantie wird man kaum finden. Der (an sich zu hohe) Benzinverbrauch schlägt sich nur geringfügig nieder. Ein komfortables und schickes Auto also, das auch Dank seiner erhöhten Sitzposition viel Sicherheit, Komfort, reichlich Platz und Fahrvergnügen bietet.
Den Individualisten, die sich den Spaß am und im Auto einiges kosten lassen und denjenigen, die häufig unterwegs sind, sei der „Spirit“ als Dieselvariante mit allem drum und dran ans Herz gelegt. Er kostet viel, bietet aber auch hohen und stabilen Gegenwert. Die lange Garantie ohne Kilometerbegrenzung dürfte sie ebenfalls freuen.

Alles in allem ein frisches und stylisches Auto, nach dem sich die Leute umdrehen. Nicht zu klein, nicht zu groß, ökologisch korrekt und mit hohem Spaßfaktor. Nur rot muss er sein. Florentinerrot!
Text und Fotos: Martin Joachim

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