Kia Sorento 2,2 CRDi AWD Automatik

Die neue Leichtigkeit

Lange Gesichter
bei einer Klientel, die den Kia Sorento in der Vorversion gefahren hatten: Reiter, Skipper und Camper schätzten den Sorento mit bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast als preisgünstiges Zugfahrzeug für Pferde, Boote oder Wohnwagen.

Vorbei! Wer derart schwere Hänger ziehen will, muss nun woanders suchen und landet automatisch bei der sündteuren Konkurrenz wie Porsche Cayenne, Audi Q7, BMW X5 oder Mercedes ML.

Strahlende Augen
Der Kia Sorento in der Neuauflage darf maximal bis zu 2,5 Tonnen (Automatikgetriebe: 2.000 kg) an den Haken nehmen. Wem das reicht, kann strahlen – und das wird die große Mehrheit sein! Der neue Sorento glänzt nun mit Fahrwerks- und Komfort-Qualitäten, die der alte harte Bursche auf Grund seiner Konstruktion einfach nicht bieten konnte. Trotzdem verkaufte sich der Sorento 1 seit seiner Markteinführung 2002 rund 900.000 Mal, bis ihn der Nachfolger 2009 ablöste.

Kia gelang die (R)evolution des Flaggschiffs

Gibt es nur bei Kia

Die alte Leiterrahmenkonstruktion mit Starrachsen, mit denen urige Geländewagen robust ausgerüstet waren, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Heutige Ansprüche wie Alltagstauglichkeit, hoher Komfort und niedriger Verbrauch mit geringen Emissionen können nur noch mit neuesten Motorengenerationen, modernen Fahrwerken und selbsttragenden Karossieren erfüllt werden. Diesem Trend musste sich auch Kia beugen und widerstand der Versuchung, sein Erfolgsmodell lediglich zu „faceliften“.

Der Kia Sorento wurde von Grund auf ein komplett neues Fahrzeug, wobei er seine bewährten Tugenden behielt. Und Kia hat alles richtig gemacht! Das neue Flaggschiff ist ein großes SUV mit starkem, kultiviertem und sparsamen Dieselmotor, jeder Menge Platz im Passagier- und Gepäckabteil, komfortablem Fahrwerk, sehr guter Serienausstattung und einem trotzdem sehr akzeptablen Preis. Der koreanische Hersteller Kia selbst ist von der Qualität seiner Autos so überzeugt, dass er - auch für den Sorento - 7 volle Jahre Garantie (oder maximal 150.000 km) gewährt! Für Interessenten, die ihr Auto lange und sorgenfrei fahren wollen, ist das ein schlagendes Kaufargument.

Nicht billig, aber preiswert
Und wer sich lange binden will, sollte auch bei diesem Auto in die Vollen greifen. Klar, für manche reicht der ebenfalls erhältliche Frontantrieb, für andere ist der Benzinmotor die bessere Wahl. So spart man einige Tausender beim Kauf, die jedoch später im Alltag schnell bereut werden könnten.

Kia Sorento 2,2CRDi AWD Automatik, Spirit-Ausstattung für 39.075 Euro. Punkt. Das ist er. Der Preis erscheint zunächst recht hoch. Er enthält jedoch alle Features und Annehmlichkeiten, die der Kunde woanders mit enormen Preiszuschlägen bezahlen muss. Ausstattungsbereinigt beträgt der Preisvorteil des Sorento lockere 10.000 Euro. Das ist ein Wort.

Alles dran ...

Und da steht er. Ein imposantes Auto. Maße: 4,69 m lang, 1,89 m breit, 1,76 m hoch. In Titanium-Silber Metallic. Aha, erst mal um das Auto herum gehen: Xenon-Scheinwerfer mit Waschanlage, Nebelleuchten, erfreulicherweise keine lackierten und empfindlichen Stoßfänger, glatte, klare Karosserieformen, zusätzliche LED-Blinker in den Rückspiegeln, Dachreling, Alufelgen, abgedunkelte Wärmegläser, LED-Rückleuchten und Bremslichter, die winzige Rückfahrkamera und ganz oben das riesige zweiteilige Panorama-Glasdach. Das schaut gut aus!

Per Fernbedienung also jetzt die Türen entriegeln und über beleuchtete Einstiegsleisten das Auto entern. Immer wieder ein Genuss bei SUVs wie dem Sorento: Ohne Verrenkungen einsteigen und auf gleicher Höhe Platz nehmen. Die (beheizbaren) Ledersitze bieten viele Verstellmöglichkeiten und hohen Sitzkomfort. Der Fahrersitz lässt sich elektrisch vor und zurück, hoch und herunter verstellen; die Lehne ist mit einer justierbaren Lordosenstütze ausgerüstet. Dank des ausziehbaren und in der Höhe verstellbaren Lederlenkrades finden auch große Fahrer ihre ideale Sitzposition. Die beheizbaren Außenspiegel sind wunderbar groß, lassen sich elektrisch einstellen und in engen Parklücken auch einklappen.

... alles drin!

Halt, vor dem Start der Blick in den Innenraum, der naturgemäß zunächst auf das Cockpit fällt. Das Lenkrad ist mit zahlreichen Tasten ausgerüstet. Rechts steuert man den Tempomat, links die Medienzentrale und unten noch das Telefon. Silberner Alu-Look hübscht das Lenkrad, die Tachohöhlen sowie Bedienköpfe auf. Leider fühlen sich das schwarze und teils mit feiner Strukturierung versehene Armaturenbrett sowie die Mittelkonsole nicht sehr wertig, sondern nach billigem Hartplastik an. Hier wären – das hat auch BMW beim X3 erst lernen müssen – haptisch angenehmere Materialien der übrigen Ausstattung angemessen.

Die Armaturen selbst lassen sich hervorragend ablesen, auch bei Nacht, wenn sie in dezentem Rot illuminiert sind. Die Lenkstockhebel vereinigen auf der linken Seite sämtliche Lichtfunktionen und rechts die der Wischer vorn und hinten. Häufig kommen die Hebel nicht zum Einsatz, denn dank Licht- und Regensensor leuchtet und wischt der Sorento von allein, wenn es nötig ist. Links neben dem Lenkrad lassen sich noch ESP, Bergabfahrhilfe und der Allrad-Lock ein- bzw. ausschalten - im Winter- und leichtem Geländeeinsatz sinnvolle Zutaten zum permanenten Allradantrieb mit elektronisch geregelter Lammellenkupplung (Verteilung vorne/hinten von 100:0 bis 50:50 Prozent).

Luxus: All Inclusive
Die Spielerei mit einem Start/Stopp-Knopf bleibt Sorento-Fahrern erspart, Schlüssel umdrehen reicht und der Motor läuft. Die Mittelkonsole bietet ein gut sichtbares Display für Uhrzeit, Außentemperatur und das Warnsignal für den eventuell abgeschalteten Beifahrer-Airbag. Darunter steuern etliche gut erreichbare und lesbar beschriftete Tasten und zwei griffige Drehknöpfe für eine sichere Bedienung der Medienzentrale. Falls nicht das Navigationssystem geordert wurde, befindet sich hier das Radio samt Stationstasten und mp3-CD-Player. Der Sound über das eingebaute Lautsprechersystem geht völlig in Ordnung.

Hat man nun die Lieblingsmusik eingestellt, wandert der Blick nach unten zur automatischen Zwei-Zonen-Klimaanlage. Mit großen Drehreglern ist hier ebenfalls alles schnell und komfortabel eingestellt. Selbst die Hinterbänkler in der beim Siebensitzer ausklappbaren dritten Sitzreihe kommen in den Genuss eigens einstellbarer Klimaregler links und rechts.

Noch weiter unten – vor Ablage und Schalthebel – kommt die iPod-Generation auf ihre Kosten. Entsprechende Anschlüsse für externe Musik-Zuspieler sind mit USB, AUX und iPod und sogar einem Adapterkabel für die Apple-Geräte vorhanden. Ablagen gibt es im Übrigen reichlich. Fächer in den Türen, unterhalb der Mittelkonsole, ein geräumiges Handschuhfach, genügend Getränkehalter vorn und hinten bieten jede Menge Stauraum. Apropos Stauraum: Eine besondere Stärke des Sorento ist seine gute Raumausnutzung. Das Gepäckabteil fasst 528 Liter und bei umgeklappten Rücksitzen bis zu 1.570 Liter. Dieses darf dann auch mit bis zu 625 Kilogramm beladen werden. Die Sitze der Fondpassagiere bieten übrigens viel Beinfreiheit und eine entspannte Sitzposition auch für lange Reisen.

Zum guten und luftigen Raumgefühl auf allen Plätzen trägt das riesige Panorama-Glasdach bei. Natürlich sind die Scheiben gegen Sonnenbestrahlung dunkel getönt, ein Rollo verschließt die Luke zur Not auch gänzlich. Das vordere Teil des Schiebe-/Hebedachs lässt sich sehr weit öffnen und legt sich dann über die hintere Hälfte. Bei vollständig geöffneten Seitenfenstern und Glasdach kommen da im Sommer schon Cabrio-Gefühle auf. Bei Testfahrten in den winterlich verschneiten Alpen blieben natürlich alle Öffnungen geschlossen. Dennoch war der Blick zu den Hängen und Berggipfeln dank des Panorama-Glasdachs ein willkommener Genuss.

Mit dem Sorento unterwegs

Den Genuss verspürt man übrigens auch, wenn man den Motor startet. Spontan und willig springt der 2,2-Liter-Turbodiesel an. Um aus der Parklücke zu rangieren, geht der Automatik-Wahlhebel durch die offene Schaltkulisse in Stellung R. Was ist das? Ein Piepen ertönt – ja klar, der Parkassistent warnt. Ein Blick in den Rückspiegel aber offenbart noch mehr: Die Rückfahrkamera ist hier unauffällig integriert und zeigt das Geschehen hinter dem Fahrzeug an.

Komfort und Leistung überzeugen
Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung macht es leicht, die Parkposition zu verlassen und sich in den Verkehr einzufädeln. Souverän und kaum spürbar übernimmt die 6-Gang-Automatik die optimale Stufe. Drehzahlschonend und sämig flutschen die Gänge durch. Gerade im Stadtverkehr bei Stop and Go-Passagen möchte man die Automatik nicht mehr missen. Der Aufpreis zum manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe fällt mit gerade mal 1.100 Euro zudem sehr moderat aus. Und wer partout selbst schalten will, der kann in der benachbarten Schaltgasse die Gänge sequentiell einlegen, was ja an Steigungen beispielsweise durchaus sinnvoll ist. Außerdem passt der Automat ausgezeichnet zum Charakter des Sorento, der kein Sportler sein will wie etwa der BMW X5, sondern sich eher als der Cruiser unter den SUV versteht. Dafür federt er auch deutlich angenehmer und steckt Bodenunebenheiten besser weg als der harte Konkurrent.

Schon im Drehzahlband zwischen 1.850 und 2.500 stellt der 4-Zylinder mit elektronisch geregelter Common-Rail-Direkteinspritzung satte 437 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Die spürt man auch, wenn es mal eilig ist. Der beherzte Tritt aufs Gaspedal entfesselt spontan die 197 PS des modernen Turbodiesels und beschleunigt die Fuhre in knapp 10,0 Sekunden auf 100 km/h. Angenehme Reise- und Durchschnittsgeschwindigkeiten bei niedrigem bis angemessenem Verbrauch liegen auf Landstraßen zwischen 80 und 100 km/h sowie auf Autobahnen zwischen 120 und 150 km/h. Bei 190 km/h regelt eine Automatik die Höchstgeschwindigkeit ganz sanft ab.

Sparsam auf allen Strecken
Der Verbrauch eines derart großen und leistungsstarken Autos ist nicht nur angesichts der aktuellen Treibstoffpreise ein wesentliches Thema. Auch hier kann der neue Sorento überzeugen. Der EU-Normverbrauch der von uns getesteten Automatikversion des Allradlers liegt bei vorzeigbaren 7,4 Litern Diesel pro gefahrene 100 Kilometer. Auf unseren Testfahrten bewies der Kia, dass dieser Wert auch ohne künstliche und verbrauchsoptimierte Schleichfahrten zu erreichen ist.

Schnellstmöglich gefahrene Autobahnstrecken provozierten einen Maximalverbrauch von 9 bis 10 Litern. Mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h oder bei eingehaltenem Tempolimit von 120 km/h rutschte der durchschnittliche Verbrauchswert sofort auf rund 8 Liter. Im Stadtverkehr mit Stop and Go-Phasen waren 8 bis 9 Liter realistisch, gemütliche Überlandfahrten mit 80 bis 90 Stundenkilometern bescherten schließlich die 7 vor dem Komma. Zu berücksichtigen ist, dass unsere Testfahrten im Januar unter für Verbrauchsmessungen ungünstigsten Bedingungen stattfanden, nämlich meist bei Außentemperaturen um -3 bis -8 Grad mit eingeschaltetem Licht, Klima-Heizung, Sitzheizung, Radio und Scheibenwischern (gegen den aufwirbelnden Schneematsch Vorausfahrender).

Fazit

Alles in allem hinterließ der Kia Sorento einen überzeugenden Eindruck. Zu einem fairen Preis erhält der Käufer ein bequemes, geräumiges und sehr gut ausgestattetes Familienauto, das auch mit souveräner Leistung und gleichzeitig sparsamem Verbrauch glänzen kann. Obendrein gefällt die aktive und passive Sicherheit des Sorento, wozu auch der Allradantrieb seinen Beitrag leistet. Das Sahnehäubchen ist die 7-Jahres-Garantie von Kia, die einmalig auf dem Markt ist.

Allen Reitern, Skippern und Campern mit Anhängern über 2,5 Tonnen sei gesagt: Euch entgeht ein richtig gutes Auto!
-mjm-